Eberbach. Ob Wasserlage, Armzug oder Beinschlag, ob Atmung oder Ernährung, es wird beim inklusiven Schwimmteam der Johannes-Diakonie aktuell an vielen Stellschrauben gedreht und optimiert. Auch einige Athletinnen und Athleten, die im Juli an den Landesspielen von Special Olympics teilnehmen werden, bereiten sich im Eberbacher Hallenbad auf ihre Wettbewerbe vor. Mit dabei am Beckenrand: Ex-Triathlet Timo Bracht. Seit Dezember unterstützt der Eberbacher das Trainerteam mit Claudia Geiger und Annette Schäffel, freut sich über den Ehrgeiz der Schwimmerinnen und Schwimmer mit und ohne Beeinträchtigung – und über sichtbare Fortschritte.
„Es macht Spaß, mit den Sportlerinnen und Sportlern zu arbeiten. Sie setzen die Hinweise meist sehr schnell um“, sagt der 49-Jährige, ohne den kritischen Blick vom Becken abzuwenden. Darin wird gerade nach Ansage von Claudia Geiger der Delphinbeinschlag geübt. Und das für manche zum ersten Mal. „Schau hier, er ist ein Bewegungstalent!“ Mit „er“ ist Michael Lofink gemeint. Der einstige Doppelweltmeister im Radsport der Special Olympics Weltspiele 2019 wird im Sommer bei den Landesspielen erstmals als Freiwasserschwimmer an den Start gehen.
Unter Anleitung von Timo Bracht hat Michael Lofink erst vor wenigen Monaten gelernt, schnell und effektiv zu kraulen. „Mit Timo zu trainieren, gibt mir Extramotivation“, sagt der Athlet aus Mosbach. Im vergangenen Jahr hatte Lofink zuerst beim inklusiven Lauftreff der Johannes-Diakonie mit dem Laufen begonnen, dann das Schwimmtraining aufgenommen und schon im Sommer seinen ersten Jedermann-Triathlon als Einzelstarter absolviert. Sein mittelfristiges Ziel: Zuerst bei den nationalen Spielen von Special Olympics im kommenden Jahr im Saarland und dann bei den Weltspielen 2027 in Chile für Deutschland im Triathlon an den Start zu gehen und damit dem mehrfachen Ironman-Sieger Bracht nachzueifern.
Von Brachts Profi-Tipps profitieren alle im Team. Auch Johannes-Diakonie-Mitarbeiter Harald Ernst. Der Hobby-Triathlet und mehrfacher Ironman-Teilnehmer hat seine Stärken beim Radfahren und Laufen. „Ich bin froh, wenn ich mich hier im Team und durch Timos Coaching im Schwimmen verbessern kann“, sagt er. Auch Harald Ernst wird bei den Special-Olympics-Landesspielen an den Start gehen. Gemeinsam mit Michael Lofink bildet er ein „Unified“-Team, also ein Duo aus einem Schwimmer mit und einem ohne Beeinträchtigung. Im Eberbacher Hallenbad geht es für die beiden also auch darum, einen gemeinsamen Rhythmus zu finden.
Das Duo Lofink/Ernst wird eines von insgesamt drei Unified-Teams beim Freiwasser-Wettbewerb im Breitenauer See sein. Bei einem zweiten ist auch Timo Brachts Tochter Isabell dabei. Die 18-Jährige, derzeit im Abi-Stress, wird mit Patrizia Spaulding starten, 2023 Freiwasser-Weltmeisterin der World Games in Berlin. Und das sicherlich vor den Augen des Vaters. „Die beiden passen richtig gut zusammen“, ist der sich sicher. Als drittes Unified-Team im Freiwasser werden Elke Jäger und Caroline Freiberger auf Medaillenjagd gehen. Auch sie bekommen in Eberbach den Schliff für den Wettbewerb.
Für Claudia Geiger, die seit Jahren die Grundlagen für die Erfolge in Becken und Freiwasser legt, ist Brachts Einsatz ein Glücksfall. „Unsere Athleten schauen zu Timo auf. Sie nehmen seine Tipps und Tricks besser an als die von mir“, lacht die Trainerin und Sportkoordinatorin der Johannes-Diakonie. Überhaupt sei Eberbach als Trainingsstätte mit ausschlaggebend für die Erfolge ihrer Schwimmerinnen und Schwimmer. „Wir erfahren seit Jahren große Unterstützung vom Schwimmbad-Team, egal ob im Sommer im Freibad oder aktuell im Hallenbad.“ Eine solche Trainingsmöglichkeit zu haben, sei keine Selbstverständlichkeit und „ein echter Gewinn“. Ein ebensolcher Gewinn wie die Unterstützung eines Profis wie Timo Bracht.