... stark für Menschen

„Mir gefällt, dass immer Arbeit da ist“

Über das Zertifikat „Chance Beruf“ freuen sich bei AZO alle: Vorstand, Betriebsrat, Kollegen, Unterstützer sowie die neuen AZO-Mitarbeiter Luka Grdur (2. v. l.) und Florian Heilig (6. v. l.).

Mosbach/Osterburken. Luka Grdur hat ein ausgeprägtes Talent für die Blechbearbeitung, auch wenn ihm manchmal die Worte fehlen. Florian Heilig weiß Arbeitsplätze in Ordnung zu halten und erledigt zuverlässig Botengänge. Da macht es nichts, wenn Zahlen nicht seine Stärke sind. Mit dem Unternehmen AZO Global Product Center GmbH & Co KG in Osterburken haben beide einen Arbeitgeber gefunden, bei dem sie ihre Talente gut einsetzen können. Und bei dem ihr Traum vom Sprung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt wahr wurde.

Jens Bernhard, Jobcoach der Johannes-Diakonie, kennt Luka Grdur und Florian Heilig sehr gut. Er hat beide in der berufsvorbereitenden Einrichtung (BVE) und danach in der Kooperativen Berufsvorbereitungsmaßnahme (KoBV) an der Augusta-Bender-Schule und während ihrer Praktika bei AZO begleitet. Zuvor hatten beide das Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum Johannesberg Schule der Johannes-Diakonie besucht.

„Dank der vielen Möglichkeiten, die AZO bietet, wurde für beide schnell klar, wo ihre Fähigkeiten liegen“, erzählt der erfahrene Jobcoach. Was an Kompetenzen noch fehlte, bearbeitete Bernhard mit den Praktikanten im individuellen Training. Zusätzliche Unterstützung kam vom Integrationsfachdienst (IFD) in Person von Ute Winterbauer. Die Agentur für Arbeit unterstützte Luka Grdur und Florian Heilig auf deren Weg ins Berufsleben finanziell und setzte in enger Zusammenarbeit mit Johannes-Diakonie und IFD auf frühzeitige Begleitung. „Unsere Beratung beginnt bereits während der Schulzeit, deshalb lernen wir die jungen Leute mit ihren Bedürfnissen über einen längeren Zeitraum sehr gut kennen“, erklärt Reha-Beraterin Ulrike Gehrig-Ferreira.

Der Erfolg bestätigt dieses Konzept. „Beide, Luka und Florian, haben sich großartig entwickelt und einen tollen Arbeitsplatz gefunden“, stellt Bernhard fest. Und Florian Heilig ergänzt: „Mir gefällt, dass immer Arbeit da ist und dass ich immer unterstützen kann.“ Aufräumen, Saubermachen, Botengänge erledigen, das gehört zu seinen Aufgaben. Es sind Tätigkeiten, die erledigt werden müssen, aber nicht unbedingt von Fachpersonal, das an anderer Stelle dringender gebraucht wird.

Förderung und eigene Motivation sind wichtig. Aber der Sprung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt war für die beiden jungen Männer nur möglich, weil AZO Inklusion im Arbeitsleben wichtig ist und weil das Unternehmen dafür sehr gute Voraussetzungen bot. Mit Edwin Unangst, Meister in der Montage, Jens Friedrich sowie Benjamin Gräf, beide Teamleiter in der Einzelfertigung, bekamen Florian und Luka engagierte Mentoren an die Seite. Ihre Fähigkeiten konnten sie an verschiedenen Stationen ausprobieren. „Bei Luka haben wir zum Beispiel schnell gemerkt, dass er eine Begabung für die Blechbearbeitung hat“, erzählt Jens Friedrich. Seine Erfahrung: „Es dauert etwas herauszufinden, was die Jungs können. Aber wenn sie ihren Job gefunden haben, dann machen sie ihn richtig gut.“

Dass „die Jungs“ gut in der Belegschaft aufgenommen wurden, ist für die AZO-Vorstände Hartmut Eckert und Dennis Künkel kein Zufall. „Soziales Miteinander gehört für uns seit 75 Jahren zur Firmenphilosophie“, erklärt Eckert, der selbst seit 40 Jahren bei AZO ist. Denn, so bringt es Künkel auf den Punkt: „Am Ende des Tages macht der Mensch den Unterschied.“ Das sei der Grund, weshalb sich AZO auch für das Thema Inklusion in der Arbeitswelt einsetzt. Dazu zählt für die Vorstände auch, dass sie Aufträge etwa an die Buchener Werkstätten für Menschen mit Behinderung vergeben und Werkstatt-Beschäftigte bei AZO immer wieder Gelegenheit zu Praktika haben.

Für diesen Einsatz wurde AZO nun mit dem Zertifikat „Chance Beruf“ ausgezeichnet. Diese Auszeichnung vergeben Johannes-Diakonie und Agentur für Arbeit seit einigen Jahren an Unternehmen, die sich besonders für Inklusion im Arbeitsleben einsetzen. Zur Übergabe am Firmensitz kamen nicht nur die AZO-Geschäftsführung, sondern auch Florian Heilig, Luka Grdur und ihre Unterstützer im Unternehmen zusammen. Es war ein sichtbares Zeichen, dass die Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Arbeitsleben ganz wesentlich Teamleistung ist. Am Ende konnten sich alle Beteiligten zu einem besonderen Erfolg beglückwünschen: durch wechselseitige Unterstützung und Zusammenarbeit zwei inklusive Arbeitsplätze geschaffen zu haben.

Zurück